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eCall-Notrufsystem: Eine weitere Belastung für Feuerwehren oder wirklich eine lebensrettende Sofortmaßnahme?

Foto: Leitstelle Lausitz

Herzberg (Elster). Das Notrufsystem „eCall“ wurde ab April 2018 für alle neuen Fahrzeugmodelle (Typzulassung) in der EU zur Pflicht. Das eCall-Notrufsystem informiert bei einem Unfall automatisch die nächstgelegene Regionalleitstelle und übermittelt direkt den Unfallort per GPS. Damit sollen jährlich bis zu 2.500 Menschen gerettet und die Zahl der Verletzten im Straßenverkehr reduziert werden. So geschah es auch am gestrigen Dienstag in Herzberg (Elster). Gegen 14:45 Uhr ertönten in Herzberg sowie Schönewalde die Sirenen und Funkmeldeempfänger der Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst. Mit dem Einsatzstichwort „Hilfeleistungseinsatz: Verkehrsunfall mit eingeklemmten Personen“ alarmierte die Regionalleitstelle Lausitz die Einsatzkräfte auf die B101 zwischen Herzberg und Borken. Schon als die Kameradinnen und Kameraden am Gerätehaus ankamen, war laut dem Alarmfax des Disponenten jegliche Information über das Unfallgeschehen unbekannt. Gemeldet wurde ein Verkehrsunfall durch das neue eCall-Notrufsystem. Die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes, der Freiwilligen Feuerwehren und der Landespolizei begaben sich zum übertragenen Unglücksort. Vor Ort konnten die Kameradinnen und Kameraden jedoch keine Unfallstelle sichten. Zeitgleich, als die Einsatzkräfte den Unglücksort suchten, setzte sich die Leitstelle mit der Polizei in Verbindung, um ggf. weitere Informationen zu erhalten. Es wurde bei Borken ein Bereitstellungsraum für sämtliche Einsatzkräfte und Mittel eingerichtet. Im späteren Einsatzverlauf stellte sich heraus, dass das Notrufsystem in einer nahegelegenen Werkstatt ungewollt ausgelöst wurde. Der Einsatz konnte nach ungefähr 40 Minuten beendet werden. Laut dem Einsatzleiter Silvio Blumberg, sei es ein sehr gutes System – auch wenn es für die Herzberger sowie Schönewalder Kameradinnen und Kameraden mit einem Fehlalarm begann. „Die Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den Einsatzkräften und der Leitstelle war großartig.“ betonte Silvio Blumberg.

Aber wie funktioniert das eCall-Notrufsystem eigentlich?

eCall („emergency call“) steht für ein satellitengestütztes, automatisches Notfallsystem für Kraftfahrzeuge. Es verständigt bei einem Verkehrsunfall die Rettungsleitstelle. Die automatische Alarmierung erfolgt über eingebaute Crash-Sensoren via GSM-Antenne. Nachdem die Crash-Sensoren den Aufprall des Fahrzeugs registriert haben, wird der automatische Notruf ausgelöst.

Foto: ADAC (grafik ecall 2015)

Gleichzeitig stellt ein integrierter GPS-Empfänger die Fahrzeugposition zum Zeitpunkt des Unfalls fest. Die GPS-Position ist Teil des Minimal-Datensatzes (MDS), der an die Rettungsleitstelle übermittelt wird. Konkret besteht der MDS aus

Fahrzeug-Identifikationsnummer,
Uhrzeit,
GPS-Position,
Fahrtrichtung,
eCall-Status,
Antriebsart,
Anzahl der angelegten Sicherheitsgurte.

Außerdem verfügt das eCall-Notrufsystem über Mikrofon und Lautsprecher. So kann der Leitstellen-Disponent ggf. mit der verunfallten Person sprechen. Der Disponent erkundigt sich zum Beispiel über die Anzahl der Verletzten. Mittels eines eingebauten Notfallknopfs kann der Fahrer auch manuell einen eCall auslösen – etwa beim Auftreten einer plötzlichen Krankheit.

Helfende Hand 2017
Helfende Hand 2017

Am 27.11.2017 überreichte uns Thomas de Maizière die "Helfende Hand". In der Kategorie "Unterstützer des Ehrenamtes" erhielten wir den 4. Platz.